In vielen Monster-Rollenspielen wächst uns eine Kreatur ans Herz, weil sie uns über Dutzende Stunden begleitet. Wir trainieren sie, bringen ihr neue Fähigkeiten bei und verlassen uns darauf, dass sie auch beim Endgegner noch an unserer Seite steht. Digimon World: Next Order hält von dieser Form der Sicherheit erstaunlich wenig. Hier bekommen wir gleich zwei Partner anvertraut, müssen sie füttern, trainieren, loben, disziplinieren und rechtzeitig zur Toilette schicken. Und sobald wir uns gerade an ihre aktuelle Form gewöhnt haben, erinnert uns das Spiel daran, dass auch ein digitales Leben irgendwann endet.
Das klingt zunächst wie ein ziemlich aufwendiges Tamagotchi. Tatsächlich ist genau dieser Vergleich hilfreicher als der naheliegende Verweis auf Pokémon. Next Order ist kein klassisches Sammelrollenspiel, in dem wir ständig neue Monster fangen und anschließend ein festes Team zusammenstellen. Unsere beiden Partner bilden das Zentrum des gesamten Abenteuers. Ihr Tagesablauf bestimmt, wann wir aufbrechen, wie lange wir unterwegs bleiben und ob wir den nächsten starken Gegner überhaupt überstehen können.

Ursprünglich erschien das Spiel 2016 in Japan für die PlayStation Vita. 2017 folgte die überarbeitete Fassung für PlayStation 4, während PC und Nintendo Switch im Februar 2023 versorgt wurden. Die späteren Versionen machen den Einstieg unter anderem durch zusätzliche Komfortfunktionen angenehmer, verwandeln Next Order aber nicht plötzlich in ein schnelles oder unkompliziertes Rollenspiel. Wer hier vorankommen möchte, muss bereit sein, Routinen zu akzeptieren und Rückschläge als festen Bestandteil der eigenen Entwicklung zu betrachten. Die PC- und Switch-Fassungen erschienen offiziell am 22. Februar 2023.

🎮 Digimon World: Next Order – Spieldaten
Veröffentlichung: 2016 (PS Vita, Japan), 2017 (PS4), 2023 (PC und Nintendo Switch)
Plattformen: PlayStation Vita, PlayStation 4, Nintendo Switch und PC
Entwicklung: B.B. Studio; PC- und Switch-Portierung durch HYDE
Publisher: Bandai Namco Entertainment
Genre: Rollenspiel und Aufzuchtsimulation
Kampfsystem: Echtzeitkämpfe mit weitgehend selbstständig handelnden Partnern
Spielmodus: Einzelspieler
Bildschirmtexte: Deutsch
Sprachausgabe: Englisch und Japanisch
Besonderheiten: Zwei Partner-Digimon, Lebenszyklen, Stadtaufbau und mehr als 200 rekrutierbare Digimon
Eine digitale Welt, die ihre Bewohner verloren hat
Zu Beginn wählen wir einen männlichen oder weiblichen Protagonisten und werden kurz darauf in die digitale Welt gezogen. Für lange Erklärungen bleibt kaum Zeit, denn dort ist einiges aus dem Gleichgewicht geraten. Virusinfizierte Digimon streifen durch die Regionen, ein aggressives Machinedramon sorgt für zusätzliche Verwüstung und die einst belebte Stadt Floatien ist kaum mehr als eine leere Ansammlung weniger Gebäude. Gemeinsam mit unseren beiden Partnern sollen wir herausfinden, was hinter der Krise steckt und die verstreuten Bewohner zur Rückkehr bewegen.

Wir sind dabei nicht der einzige Mensch, den es an diesen Ort verschlagen hat. Im Verlauf der Geschichte begegnen wir weiteren Figuren mit eigenen Partnern und Interessen. Nach und nach werden die Zusammenhänge hinter den Angriffen deutlicher, alte Bekannte tauchen auf und besonders Spieler des ersten Digimon World entdecken zahlreiche Verbindungen. Vorwissen ist nicht erforderlich, einige Momente besitzen für Kenner des PlayStation-Klassikers aber deutlich mehr Gewicht.
Die Handlung erfüllt ihren Zweck, gehört jedoch nicht zu den großen Stärken des Spiels. Interessante Enthüllungen gibt es durchaus, nur liegen zwischen zwei relevanten Ereignissen häufig lange Trainings- und Erkundungsphasen. Sobald die Geschichte ein wenig Tempo entwickelt, kann ein zu schwaches Partnerpaar den Fortschritt abrupt stoppen. Dann geht es nicht zum nächsten Schauplatz, sondern zurück nach Floatia, wo erst einmal Werte verbessert und neue Digitationen vorbereitet werden müssen.

Noch auffälliger ist, wie wenig unsere eigenen Partner in der eigentlichen Erzählung zu sagen haben. Sie sind spielerisch ständig präsent und bestimmen nahezu jede Entscheidung, bleiben innerhalb der Dialoge aber weitgehend austauschbar. Dadurch entsteht eine merkwürdige Trennung: Wir verbringen mehr Zeit mit ihnen als mit jeder menschlichen Nebenfigur, doch persönliche Beziehungen werden vor allem durch Systeme statt durch geschriebene Szenen vermittelt. Das funktioniert emotional trotzdem, verschenkt aber viel erzählerisches Potenzial.

Elternschaft mit Trainingsplan und Stoppuhr
Das eigentliche Herzstück wartet in Floatiens Trainingshalle. Dort verteilen wir unsere Partner auf unterschiedliche Geräte und erhöhen Werte wie Stärke, Ausdauer, Tempo, Weisheit, TP oder MP. Die Übung selbst läuft automatisch ab. Im richtigen Moment können wir eine kleine Anzeige stoppen und mit etwas Glück zusätzliche Verbesserungen erhalten. Spielerisch ist das denkbar simpel, strategisch hängen daran jedoch erstaunlich viele Entscheidungen.

Unsere Digimon steigen nämlich nicht einfach nach einem vertrauten Erfahrungspunktesystem auf. Kämpfe liefern zwar kleinere Attributssteigerungen, reichen allein aber selten aus. Wer zu Beginn unbekümmert in die nächste Region läuft und erwartet, dort bequem einige Stufen zu sammeln, kann bereits am ersten stärkeren Gegner scheitern. Fortschritt entsteht aus der Verbindung von Training, Pflege, Kämpfen und der gezielten Vorbereitung auf die nächste Digitation.
Welche Form ein Partner annimmt, hängt von zahlreichen Bedingungen ab. Bestimmte Werte müssen erreicht, Kämpfe gewonnen, Fehler vermieden oder Bedürfnisse auf eine bestimmte Weise erfüllt werden. Anfangs kennen wir nur einen Bruchteil dieser Anforderungen. Mit der Zeit erhalten wir weitere Hinweise und können besser darauf hinarbeiten, ein gewünschtes Digimon zu bekommen. Bis dahin bleibt jede Entwicklung ein wenig spannend: Haben wir tatsächlich die richtigen Schwerpunkte gesetzt oder endet unser sorgfältig trainierter Kandidat doch wieder in einer Form, die überhaupt nicht zum geplanten Team passt?

Gerade in den ersten Stunden kann dieser Aufbau frustrieren. Unsere Partner sind noch schwach, die Möglichkeiten in Floatien begrenzt und selbst gewöhnliche Gegner können eine überraschend deutliche Grenze markieren. Next Order erklärt zwar seine Grundlagen, vermittelt aber nur unzureichend, wie viel Geduld es tatsächlich erwartet. Wer das Spiel wie ein konventionelles JRPG behandelt, interpretiert die ersten Niederlagen schnell als schlechtes Balancing. Tatsächlich möchte es uns dazu bringen, den gesamten Tagesablauf unserer Digimon ernster zu nehmen.
Dazu gehören nicht nur Zahlen. Die beiden werden hungrig, müde oder müssen zur Toilette. Entsprechende Symbole zeigen ihre Bedürfnisse rechtzeitig an, weshalb wir auf längeren Ausflügen immer genügend Nahrung und einige mobile Toiletten dabeihaben sollten. Ignorieren wir solche Wünsche regelmäßig, beeinflusst das nicht nur ihre Stimmung, sondern unter Umständen auch die spätere Entwicklung. Elternschaft in der digitalen Welt bedeutet eben, dass ein dringendes Bedürfnis selbst kurz vor dem Ziel noch wichtiger sein kann als die Rettung des gesamten Universums.

Der wichtigste Unterschied zu vielen anderen Monster-Rollenspielen ist der begrenzte Lebenszyklus. Unsere Partner bleiben nicht dauerhaft in ihrer stärksten Form. Nach einer gewissen Zeit sterben sie, kehren als Ei zurück und beginnen wieder als Baby-Digimon. Der erste Verlust kann erstaunlich hart treffen, besonders wenn er genau in dem Moment erfolgt, in dem das Team endlich stark genug für die nächste Region wirkte.
Ein vollständiger Neustart ist das glücklicherweise nicht. Ein Teil der aufgebauten Stärke fließt in die nächste Generation ein. Zusätzlich verbessern wir langfristige Fähigkeiten des Protagonisten und erweitern Floatia. Jeder neue Lebenszyklus beginnt dadurch unter besseren Voraussetzungen. Was zunächst wie eine Bestrafung wirkt, entpuppt sich allmählich als eigentliches Fortschrittssystem: Wir ziehen nicht das eine perfekte Digimon groß, sondern schaffen über mehrere Generationen hinweg immer bessere Grundlagen.

Genau darin liegt die besondere Faszination von Next Order. Eine starke Digitation fühlt sich nicht wie die automatische Belohnung für den nächsten Levelaufstieg an. Wir haben sie vorbereitet, Werte geplant, Bedürfnisse erfüllt und möglicherweise zuvor eine komplette Generation geopfert, um diesmal bessere Chancen zu besitzen. Das Ergebnis kann enorm befriedigend sein. Es kann aber ebenso ernüchternd wirken, wenn trotz aller Planung nicht die gewünschte Form herauskommt oder beide Partner zu ungünstigen Zeitpunkten aus ihrem Rhythmus geraten.

Im Kampf sind wir Trainer und keine Marionettenspieler
Auch die Gefechte folgen dieser Philosophie. Berühren wir ein feindliches Digimon, entsteht unmittelbar ein begrenzter Kampfbereich. Unsere beiden Partner bewegen sich selbstständig, suchen Ziele und greifen grundsätzlich ohne direkte Eingabe an. Wir wechseln zwischen ihnen, feuern sie an, verwenden Gegenstände und geben einzelne Befehle, sobald genügend Ordnungspunkte vorhanden sind. Stärkere Spezialangriffe müssen daher vorbereitet und im passenden Moment ausgelöst werden.

Anfangs fühlt sich das überraschend passiv an. Wir sind nicht selbst der Kämpfer, sondern stehen als Zähmer am Rand und versuchen, zwei eigenwillige Wesen zu koordinieren. Das passt hervorragend zur Grundidee, bedeutet aber auch einen gewissen Kontrollverlust. Ein Partner wählt nicht immer das Ziel, das wir gerade für sinnvoll halten, und bei mehreren Gegnern kann das Geschehen schnell unübersichtlich werden. Gerade hektische Auseinandersetzungen vermitteln gelegentlich den Eindruck, dass unsere wichtigste Entscheidung bereits Stunden zuvor in der Trainingshalle gefallen ist.
Die Werte besitzen tatsächlich einen enormen Einfluss. Sind wir gut vorbereitet, kann ein vermeintlich gefährlicher Gegner innerhalb weniger Augenblicke zusammenbrechen. Fehlen entscheidende Attribute, erkennen wir ebenso schnell, dass dieser Bereich noch nicht für uns gedacht ist. Zwischen einem mühelosen Sieg und einer aussichtslosen Niederlage liegt manchmal nur eine weitere Trainingsphase. Dadurch wirken Kämpfe weniger wie taktische Prüfungen und stärker wie die Abrechnung unserer gesamten Aufzucht.

Mit neuen Tamer-Fähigkeiten erhalten wir schrittweise mehr Einfluss. Der menschliche Protagonist sammelt eigene Erfahrung und steigt im Tamer-Rang auf. Die dabei erhaltenen Punkte investieren wir unter anderem in effizienteres Training, bessere Wiedergeburten, stärkere Kommandos oder nützlichere Vorteile für bestimmte Digimon-Typen. Diese Verbesserungen bleiben auch dann bestehen, wenn unsere Partner wieder als Babys beginnen.
Das ist für die Motivation entscheidend. Selbst eine gescheiterte Generation hinterlässt einen erfahreneren Zähmer, eine besser ausgebaute Stadt und häufig neue Kenntnisse über mögliche Digitationen. Next Order nimmt uns regelmäßig einen Teil unserer kurzfristigen Stärke, lässt den langfristigen Fortschritt aber bestehen. Wer dieses Prinzip verstanden hat, betrachtet den Tod eines Partners irgendwann weniger als Katastrophe und eher als Beginn der nächsten Aufbauphase.

Floatien zeigt, dass sich die Mühe tatsächlich lohnt
Außerhalb der Aufzucht verbringen wir viel Zeit mit der Erkundung der digitalen Welt. Von Floatien aus gelangen wir in unterschiedliche Gebiete, sammeln Rohstoffe, entdecken neue Wege und sprechen mit verstreuten Digimon. Viele von ihnen lassen sich für die Stadt anwerben. Manchmal genügt ein Gespräch, meistens verlangen sie jedoch einen Gegenstand, die Lösung einer kleinen Aufgabe oder einen Sieg im Kampf.

Dank der Nachrichtenfunktion müssen wir uns nicht jede Bedingung merken. Einmal entdeckte Aufgaben werden festgehalten und können später erneut überprüft werden. Das erspart unnötige Notizen und erlaubt uns, ein zu starkes Digimon zunächst zurückzulassen. Einige Stunden oder eine Generation später kehren wir mit einem besser vorbereiteten Team zurück und probieren es erneut.
Jeder neue Bewohner verändert Floatien. Manche eröffnen Geschäfte, verbessern die Trainingsanlagen oder bieten neue Dienstleistungen an. Andere kümmern sich um Landwirtschaft, Materialien oder weitere Ausbaustufen. Die zunächst leere Siedlung wächst auf diese Weise langsam zu einer richtigen Stadt heran.

Hier wird unser Fortschritt endlich sichtbar. Höhere Zahlen in einem Statusmenü können abstrakt bleiben, ein neues Gebäude oder ein belebter Platz dagegen nicht. Selbst wenn die Haupthandlung gerade wenig Zugkraft entwickelt, existiert fast immer ein greifbares Ziel: noch einen Bewohner finden, einen Dienst freischalten oder genügend Materialien für die nächste Erweiterung beschaffen.

Dieser Sog trägt einen großen Teil des Spiels, kann seine Wiederholungen aber nicht vollständig verbergen. Der typische Ablauf besteht häufig aus Training, Versorgung, Erkundung, einer zu schwierigen Begegnung und der anschließenden Rückkehr nach Floatien. Danach trainieren wir weiter, schlafen, füttern unsere Partner und versuchen es erneut. Wer sich auf diese Routine einlässt, kann darin etwas beinahe Entspannendes finden. Wir kümmern uns um überschaubare Aufgaben und beobachten, wie aus kleinen Verbesserungen langsam eine starke Generation entsteht.
Wer dagegen schnell zur nächsten Geschichte oder zum nächsten Gebiet gelangen möchte, wird dieselbe Struktur als zäh empfinden. Besonders lange Sitzungen in der Trainingshalle verlangen viel Geduld. Das Spiel lässt uns seine Mechaniken nicht nur kennenlernen, sondern wiederholt mit ihnen arbeiten. Aufzucht ist hier keine nette Nebenbeschäftigung zwischen zwei Abenteuern. Sie ist die Arbeit, die das Abenteuer überhaupt erst möglich macht.

Die Vita-Herkunft reist sichtbar mit
Technisch kann Digimon World: Next Order seine Herkunft nicht verbergen. Die Welt ist keineswegs hässlich und bietet mit Wiesen, Wüsten, Höhlen und anderen Regionen genügend Abwechslung. Modelle, Texturen und Animationen wirken auf größeren Bildschirmen allerdings deutlich schlichter als bei moderneren Rollenspielen. Gerade die Landschaften erfüllen eher ihren Zweck, als dass sie uns regelmäßig zum Anhalten und Staunen bewegen.

Die Digimon selbst sind wichtiger und gelungen. Besonders fortgeschrittene Formen besitzen genug Präsenz, um den langen Weg dorthin visuell zu belohnen. Wenn zwei gewaltige Partner neben unserer vergleichsweise kleinen Figur durch die Welt laufen, entwickelt das Spiel einen Charme, den die einfachen Umgebungen allein kaum erzeugen könnten. Die große Auswahl sorgt außerdem dafür, dass neue Generationen nicht nur spielerisch, sondern auch optisch interessant bleiben.
Musikalisch bleibt wesentlich weniger hängen. Einige Stücke begleiten die wiederkehrenden Aufenthalte angenehm, entwickeln aber selten eine besonders starke eigene Identität. Auch die Inszenierung der Handlung fällt sparsam aus. Vollwertige Zwischensequenzen sind selten, viele Ereignisse werden mit einfachen Gesprächen innerhalb der Spielumgebung erzählt. Deutsche Bildschirmtexte sind vorhanden, genau wie englische und japanische Sprachausgabe.

Der technische Eindruck passt damit zum gesamten Spiel: Die Präsentation möchte uns nicht permanent beeindrucken. Entscheidend ist, welche Geschichte wir selbst mit unseren wechselnden Partnern verbinden. Ein unscheinbares Baby wird zum mühsam aufgebauten Mega-Digimon, scheitert an einem Boss, wird wiedergeboren und schafft denselben Kampf eine Generation später. Solche Momente entstehen nicht durch aufwendige Zwischensequenzen, sondern aus dem Zusammenspiel der Systeme.

Fazit – Ein Rollenspiel für Menschen, die auch Rückschritte als Fortschritt akzeptieren
Digimon World: Next Order ist kein Spiel, das nur zufällig einige Elemente eines virtuellen Haustiers enthält. Es ist eine Aufzuchtsimulation, die ihre gesamte Rollenspielwelt um diesen Kern herum errichtet. Wer lediglich bekannte Digimon sammeln, mit direkten Befehlen kämpfen und einer schnell erzählten Handlung folgen möchte, wird sich deshalb wahrscheinlich schon in den ersten Stunden an den ständigen Trainingspausen stören.
Seine größte Stärke liegt in der ungewöhnlichen Beziehung zu den beiden Partnern. Sie besitzen kaum eigene Dialoge und werden erzählerisch erstaunlich wenig genutzt. Trotzdem wachsen sie uns ans Herz, weil praktisch jede Verbesserung mit unserer Aufmerksamkeit verbunden ist. Wir erinnern uns nicht nur daran, welche Form sie erreicht haben, sondern auch daran, wie lange wir dafür trainierten, welche Fehler wir machten und welcher Gegner eine frühere Generation noch mühelos besiegte.
Der Tod verliert dadurch seinen reinen Strafcharakter. Natürlich bleibt es unangenehm, einen starken Partner kurz vor dem nächsten Ziel zu verlieren. Gleichzeitig wissen wir, dass die neue Generation bessere Voraussetzungen mitbringt. Das Spiel nimmt uns etwas Sichtbares weg und gibt uns dafür langfristiges Potenzial zurück. Nur erklärt es diesen Gedanken zu Beginn nicht überzeugend genug. Viele Spieler dürften bereits frustriert aufgeben, bevor aus dem scheinbaren Stillstand ein nachvollziehbarer Kreislauf wird.
Floatien bildet das notwendige Gegengewicht. Während unsere Digimon kommen und gehen, wächst die Stadt beständig weiter. Neue Bewohner, Gebäude und Funktionen sorgen dafür, dass die vielen Ausflüge einen dauerhaften Wert besitzen. Die Hauptgeschichte könnte dieses umfangreiche Abenteuer allein kaum tragen; der sichtbare Ausbau der eigenen Basis schafft dagegen zuverlässig neue Ziele.
Damit bleibt Digimon World: Next Order ein eigenwilliges und zeitintensives Rollenspiel, das seine Zielgruppe sehr deutlich auswählt. Es kann monoton, unübersichtlich und gelegentlich unnötig zäh sein. Wer jedoch den ersten Digimon World-Teil mochte oder bewusst ein Spiel sucht, in dem Pflege, Planung und Wiedergeburt wichtiger sind als eine klassische Levelkurve, findet kaum eine vergleichbare Alternative.
Unsere Partner begleiten uns nicht für immer. Gerade deshalb fühlt sich jede gemeinsam erreichte Entwicklung so wertvoll an.
