Eine der spannendsten JRPG-Hoffnungen der vergangenen Jahre ist gescheitert. Digital Bros, die Muttergesellschaft von 505 Games, hat die Entwicklung von Armed Fantasia: To the End of the Wilderness eingestellt. Damit wird der als geistiger Nachfolger von Wild Arms angekündigte Titel nach aktuellem Stand nicht mehr erscheinen.
Neben Armed Fantasia betrifft die Entscheidung auch das Action-RPG Directorate: Novitiate sowie eine geplante Fortsetzung des Free-to-Play-Spiels Battle Island. Digital Bros machte die Einstellung der Projekte im aktuellen Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2025/2026 öffentlich.
Mehrere Versuche, das Gameplay zu überarbeiten
Digital Bros nennt auch Gründe für die Entscheidung.
Dem Finanzbericht zufolge wurde die Entwicklung der drei Spiele nach mehreren Versuchen zur Überarbeitung ihres Gameplays beendet. Anschließend habe der Konzern das Potenzial der einzelnen Projekte erneut bewertet. Dabei seien unter anderem die veränderten Marktbedingungen und die zusätzlichen Investitionen berücksichtigt worden, die notwendig gewesen wären, um die Spiele fertigzustellen und auf den Markt zu bringen.
Konkrete Angaben dazu, welche Bestandteile von Armed Fantasia überarbeitet werden sollten oder an welchen Punkten Digital Bros mit dem Entwicklungsstand unzufrieden war, enthält der Bericht allerdings nicht.
17,6 Millionen Euro werden abgeschrieben
Finanziell hinterlässt die Entscheidung deutliche Spuren.
Digital Bros verbuchte aufgrund der eingestellten Projekte und weiterer Wertminderungen insgesamt 18,7 Millionen Euro an nicht zahlungswirksamen Abschreibungen. Davon entfallen 17,6 Millionen Euro auf die eingestellten Projekte Armed Fantasia, Directorate: Novitiate und die Fortsetzung von Battle Island. Weitere eine Million Euro betrifft Wertminderungen anderer Spiele.
Wie viel der 17,6 Millionen Euro konkret auf Armed Fantasia entfällt, schlüsselt Digital Bros nicht auf.
Armed Fantasia sollte Wild Arms wiederbeleben
Für JRPG-Fans ist insbesondere die Einstellung von Armed Fantasia bitter.
Das Rollenspiel wurde 2022 von WILD BUNCH Productions vorgestellt und entstand unter der Leitung von Akifumi Kaneko, der eng mit der Wild-Arms-Reihe verbunden ist. Das Projekt sollte deren Mischung aus klassischem JRPG, Western-Atmosphäre und weitläufiger Erkundung in moderner Form fortführen.
Geplant war eine große Welt namens Londenium, die Spieler mit einer Gruppe sogenannter Pathfinder bereisen sollten. Neben Dungeons mit Rätseln und unterschiedlichen Gadgets war ein rundenbasiertes Kampfsystem namens Cross Order Tactics vorgesehen.
Auch musikalisch sollten mehrere bekannte Namen zurückkehren. Unter anderem waren Michiko Naruke und Noriyasu Agematsu an dem Projekt beteiligt.

Fast 380 Millionen Yen über Kickstarter gesammelt
Besonders heikel ist die Situation wegen der Finanzierung des Spiels.
Armed Fantasia wurde gemeinsam mit dem Shadow-Hearts-Nachfolger Penny Blood über eine sogenannte Double-Kickstarter-Kampagne finanziert. Insgesamt beteiligten sich 17.920 Unterstützer an der Kampagne und sagten 379.328.385 Yen zu. Das ursprüngliche gemeinsame Ziel lag bei 100 Millionen Yen.
Wichtig dabei: Diese Summe wurde für Armed Fantasia und Penny Blood gemeinsam gesammelt. Daraus lässt sich also nicht ableiten, welcher Anteil ausschließlich für Armed Fantasia bestimmt war.
Über Stretch Goals waren neben der PC-Version auch Konsolenfassungen vorgesehen. Später wurde Armed Fantasia unter anderem für PlayStation 5 und Xbox Series X|S geführt.
Noch im März 2026 meldeten die Entwickler Fortschritte
Die Einstellung kommt besonders überraschend, weil das Entwicklerteam noch wenige Monate zuvor über konkrete Fortschritte gesprochen hatte.
Im März 2026 erklärte Akifumi Kaneko, dass ein sogenannter Vertical Slice fertiggestellt worden sei. Diese spielbare Projektfassung sollte zentrale Elemente des Spiels zusammenführen und wurde anschließend an den Publisher übergeben.
Die Kickstarter-Seite wurde zuletzt ebenfalls im März 2026 aktualisiert. Zu diesem Zeitpunkt war öffentlich noch nicht bekannt, dass das Projekt kurz vor seiner vollständigen Einstellung stehen würde.
Was passiert mit den Kickstarter-Unterstützern?
Eine der größten offenen Fragen betrifft nun die Unterstützer der Kickstarter-Kampagne.
Aus dem Finanzbericht von Digital Bros geht nicht hervor, ob und in welcher Form Rückerstattungen vorgesehen sind. Auch die gemeinsame Kickstarter-Seite enthält zum aktuellen Zeitpunkt noch keine offizielle Erklärung dazu, wie mit den Unterstützern von Armed Fantasia weiter verfahren wird.
Damit bleibt zunächst offen, ob Backer ihr Geld zurückerhalten, alternative Belohnungen angeboten werden oder andere Lösungen geplant sind.
Gerade weil die Kickstarter-Kampagne gemeinsam mit Penny Blood durchgeführt wurde, dürfte die weitere Abwicklung zudem komplizierter sein als bei einem gewöhnlichen Einzelprojekt.

Penny Blood ist nicht Teil der genannten Einstellung
Penny Blood selbst wird im aktuellen Digital-Bros-Bericht nicht als eingestelltes Projekt genannt. Die Entscheidung betrifft ausdrücklich Armed Fantasia, Directorate: Novitiate und die geplante Battle-Island-Fortsetzung.
Aus der Einstellung von Armed Fantasia sollte deshalb nicht automatisch geschlossen werden, dass auch Penny Blood eingestellt wurde.
Auch Directorate: Novitiate wird eingestellt
Neben Armed Fantasia trifft die Entscheidung Directorate: Novitiate.
Das übernatürliche Third-Person-Action-RPG wurde Anfang 2025 angekündigt und sollte ursprünglich noch im selben Jahr im Early Access erscheinen. Dazu kam es allerdings nicht.
Digital Bros hatte bereits zuvor Wertminderungen im Zusammenhang mit dem Projekt verbucht. Nun ist endgültig bestätigt, dass auch dessen Entwicklung nicht fortgeführt wird.
Armed Fantasia wird nicht mehr fertiggestellt
Damit endet die Entwicklung von Armed Fantasia: To the End of the Wilderness rund vier Jahre nach der erfolgreichen Kickstarter-Kampagne.
Digital Bros begründet die Entscheidung mit wiederholten Gameplay-Überarbeitungen, veränderten Marktbedingungen und dem zusätzlichen Kapital, das für die Fertigstellung notwendig gewesen wäre.
Für Fans von Wild Arms ist die Einstellung besonders bitter: Armed Fantasia sollte nicht lediglich vom Klassiker inspiriert sein, sondern wurde von mehreren der ursprünglichen Kreativen ausdrücklich als dessen geistiger Nachfolger aufgebaut.
Offen bleibt nun vor allem, wie die Verantwortlichen mit den fast 18.000 Kickstarter-Unterstützern umgehen werden
Quelle:
Digital Bros / Kickstarter / Gematsu
