Wer schon immer davon geträumt hat, dass die eigenen Monster nicht nur kämpfen, sondern anschließend auch beim Gießen der virtuellen Tomaten helfen, findet in Ova Magica eine bemerkenswert konkrete Antwort. Das Spiel verbindet eine gemütliche Farmsimulation mit der Aufzucht kleiner Kreaturen, die aussehen, als wären Ostereier plötzlich lebendig geworden und hätten beschlossen, möglichst niedlich durch die Gegend zu hüpfen.
Entwickelt wurde Ova Magica von ClaudiaTheDev und Skinny Frog, während Top Hat Studios die Veröffentlichung übernimmt. Nach dem Early-Access-Start am 23. Juli 2024 erschien am 28. Mai 2026 die vollständige Version auf Steam. Die ursprünglich für Juli angekündigten Konsolenfassungen wurden inzwischen auf den 8. September 2026 verschoben. Dann soll das Spiel für PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox One, Xbox Series X|S, Nintendo Switch und Nintendo Switch 2 erscheinen.
Auf dem Papier klingt die Verbindung ausgesprochen reizvoll. Wir übernehmen eine heruntergekommene Farm, bauen Gemüse an, lernen die Bewohner von Kleestadt kennen und trainieren gleichzeitig unsere Blobs für die örtliche Liga. Die einzelnen Bestandteile erinnern deutlich an bekannte Genregrößen, doch ihre Verbindung besitzt durchaus eine eigene Identität. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, woher Ova Magica seine Ideen nimmt. Interessanter ist, ob Farming, Monsteraufzucht und Rollenspiel tatsächlich gemeinsam funktionieren – oder am Ende lediglich drei halbfertige Systeme nebeneinanderstehen.
🎮 Ova Magica – Spieldaten
Early-Access-Veröffentlichung: 23. Juli 2024
PC-Vollversion: 28. Mai 2026
Konsolenveröffentlichung: 8. September 2026
Plattformen: PC, PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox One, Xbox Series X|S, Nintendo Switch und Nintendo Switch 2
Entwicklung: ClaudiaTheDev und Skinny Frog
Publisher: Top Hat Studios
Genre: Farming-Simulation und Creature-Collector-JRPG
Kampfsystem: Rundenbasiert
Spielmodus: Einzelspieler
Getestete Fassung: PC
Bildschirmtexte: Deutsch
Sprachausgabe: Keine vollständige Vertonung
Besonderheiten: Blob-Zucht, Farmarbeit, Expeditionen, Freundschaften und Heirat
Die PC-Version unterstützt neben deutschen Bildschirmtexten unter anderem Englisch, Französisch, Japanisch, Spanisch und vereinfachtes Chinesisch.
Eine heruntergekommene Farm und ein ziemlich großes Ei
Zu Beginn erstellen wir im Charaktereditor unsere eigene Figur. Verschiedene Frisuren, Hautfarben, Kleidungsstücke und weitere Merkmale ermöglichen zumindest genügend Auswahl, um nicht vollkommen identisch mit allen anderen Neuankömmlingen auszusehen. Kurz darauf erreichen wir Kleestadt, ein beschauliches Örtchen, das künftig unser neues Zuhause darstellen soll.

Der Grund für unseren Umzug könnte direkt aus dem Einführungsseminar für Farmsimulationen stammen: Wir haben einen alten Hof geerbt. Dieser befindet sich selbstverständlich nicht in einem Zustand, in dem wir uns einfach zurücklehnen und die Erntehelfer ihre Arbeit erledigen lassen könnten. Felder müssen vorbereitet, Werkzeuge eingesetzt und die ersten Pflanzen angebaut werden.

Allerdings bleibt es nicht lange bei der gewöhnlichen Landwirtschaft. In Kleestadt leben Menschen gemeinsam mit sogenannten Blobs. Die kleinen eiförmigen Kreaturen werden als Freunde, Helfer und Kampfgefährten gehalten. Schon zu Beginn begegnen wir außerdem dem amtierenden Champion der örtlichen Blobliga. Daraus entwickelt sich eine kleine Rivalität und damit unser zweites großes Ziel: Neben dem Aufbau der Farm möchten wir selbst zum nächsten Blob-Champion aufsteigen.

Eine große übergeordnete Geschichte entsteht daraus allerdings nicht. Zwar finden gelegentlich Ereignisse statt, die mit unserem Fortschritt und den Bewohnern von Kleestadt zusammenhängen, einen durchgehenden dramatischen Handlungsbogen sollte man jedoch nicht erwarten. Ova Magica erzählt weniger eine Geschichte über die Herkunft der Blobs als über einen zunehmend vertrauten Alltag mit ihnen.
Das ist grundsätzlich vollkommen in Ordnung. Nicht jede Farmsimulation benötigt einen Bösewicht, der kurz vor der Ernte den Planeten vernichten möchte. Trotzdem bleibt das Gefühl, dass einige Ideen nur oberflächlich behandelt werden. Besonders die unterschiedlichen Blob-Welten, die wir im Rahmen von Expeditionen besuchen, hätten sich für eine umfangreichere Geschichte angeboten. Wir dürfen diese Orte erkunden, erfahren über sie aber wesentlich weniger, als ihre ungewöhnliche Gestaltung zunächst vermuten lässt.
Die Landwirtschaft spielt überraschend selten die Hauptrolle
Auf unserer Farm bearbeiten wir den Boden, pflanzen zur jeweiligen Jahreszeit passende Samen, gießen die Felder und warten anschließend auf die Ernte. Die gewonnenen Produkte können verkauft, weiterverarbeitet oder für die Versorgung unserer Blobs verwendet werden. Wer bereits eine andere Farmsimulation gespielt hat, wird sich hier ohne lange Eingewöhnung zurechtfinden.

Das liegt auch an der verständlichen Bedienung. Das Spiel zeigt jederzeit deutlich an, welches Werkzeug gerade benötigt wird und welche Handlung an einer bestimmten Stelle möglich ist. Selbst Spieler, die bisher noch nie freiwillig mehrere virtuelle Quadratmeter Rüben gegossen haben, dürften die Grundlagen innerhalb kurzer Zeit verstanden haben.

Diese Zugänglichkeit besitzt allerdings eine Kehrseite. Der landwirtschaftliche Teil fällt ausgesprochen geradlinig aus. Wir wählen passende Samen, kümmern uns regelmäßig um die Pflanzen und verarbeiten später einen Teil der Ernte. Umfangreiche Bodensysteme, schwierige Produktionsketten oder besonders anspruchsvolle Planungen spielen keine entscheidende Rolle.

Wer hauptsächlich eine möglichst umfangreiche Landwirtschaftssimulation sucht, könnte davon enttäuscht werden. Die Farm bildet weniger ein eigenständiges komplexes Spiel als die wirtschaftliche und kulinarische Grundlage für die eigentliche Hauptbeschäftigung. Denn viele Erzeugnisse landen irgendwann nicht auf dem Markt, sondern im Magen unserer eiförmigen Mitbewohner.
Gerade dadurch funktioniert das zunächst einfache Farming im Gesamtbild besser, als es isoliert betrachtet den Anschein macht. Wir bauen Pflanzen nicht ausschließlich an, um am Ende des Tages eine größere Zahl auf unserem Konto zu sehen. Die Ernte wird benötigt, um Blobs zu versorgen, ihre Entwicklung zu unterstützen und neue Möglichkeiten freizuschalten. Landwirtschaft und Monsteraufzucht greifen dadurch immer enger ineinander.
Blobs ersetzen Kühe, Hühner und gelegentlich jede Selbstbeherrschung
Die Blobs sind der eindeutige Mittelpunkt von Ova Magica. Sie unterscheiden sich in Aussehen, Typ, Werten und möglichen Fähigkeiten. Einige erinnern an Tiere, andere an Gegenstände oder kleine Fantasiewesen. Gemeinsam haben sie vor allem ihre rundliche Form und den deutlichen Versuch, selbst hartgesottene Spieler durch bloßes Herumwackeln emotional zu erpressen.

Neue Blobs erhalten wir unter anderem durch Eier, die bei Händlern gekauft oder auf andere Weise gefunden werden können. Nach dem Schlüpfen ziehen die kleinen Kreaturen auf unserem Hof ein. Dort benötigen sie Aufmerksamkeit, Nahrung und einen geeigneten Platz. Sie sind keine austauschbaren Kampfeinheiten, die bis zum nächsten Turnier bewegungslos in einer Menübox verschwinden.
Regelmäßiges Füttern und Streicheln verbessert nicht nur die Beziehung, sondern besitzt unmittelbaren spielerischen Nutzen. Die Entwicklung eines Blobs findet nicht ausschließlich während der Kämpfe statt. Seine Lebens- und Magiepunkte hängen unter anderem davon ab, wie gut wir uns außerhalb der Arena um seine Bedürfnisse kümmern.
Auch die Zucht spielt eine wichtige Rolle. Zwei zueinander passende Blobs können gemeinsam Nachwuchs bekommen, wodurch neue Kombinationen aus Eigenschaften, Fähigkeiten und äußerlichen Merkmalen entstehen. Wer gezielt bestimmte Ergebnisse erreichen möchte, kann sich lange mit geeigneten Eltern und deren Entwicklung beschäftigen.

Das System erinnert zwangsläufig an bekannte Monster-Taming-Spiele, besitzt durch die Einbindung in das Farmleben aber eine eigene Identität. Wir fangen nicht einfach möglichst viele Kreaturen und lassen den Großteil anschließend in einer digitalen Sammlung verschwinden. Die Blobs leben sichtbar auf dem Hof, helfen später bei verschiedenen Arbeiten und benötigen unsere Aufmerksamkeit.
Trainiert wird direkt während der Kämpfe
Einen beträchtlichen Teil der Spielzeit verbringen wir in Blob-Kämpfen. Auseinandersetzungen finden nicht nur innerhalb der Liga statt. Viele Bewohner von Kleestadt können ebenfalls herausgefordert werden, wodurch sich praktisch der gesamte Ort in eine ausgesprochen niedliche Trainingsarena verwandelt.
Maximal drei Blobs treten auf jeder Seite gegeneinander an. Eine Leiste zeigt an, wann die einzelnen Teilnehmer ihre nächste Aktion ausführen dürfen. Sobald einer unserer Blobs an der Reihe ist, wählen wir den gewünschten Angriff oder eine andere verfügbare Handlung.

Wie bei Pokémon stehen jeder Kreatur bis zu vier Angriffe gleichzeitig zur Verfügung. Die elementaren Grundlagen sind bewusst leicht verständlich. Feuer ist stark gegen Pflanze, Pflanze besitzt Vorteile gegenüber Wasser und Wasser löscht wiederum Feuer. Trotzdem erschöpft sich das System nicht vollständig in diesem bekannten Kreislauf.
Die Entwicklung der Statuswerte funktioniert ungewöhnlich. Angriffe sind an bestimmte Attribute wie Stärke oder Verteidigung gekoppelt. Wird eine entsprechende Aktion wiederholt verwendet, füllt sich der Fortschritt des dazugehörigen Wertes. Erreicht dieser 100 Prozent, steigt das Attribut unmittelbar während des Kampfes.

Nach einer Auseinandersetzung werden also nicht einfach klassische Erfahrungspunkte verteilt, die irgendwann automatisch zu einem gewöhnlichen Levelaufstieg führen. Wir beeinflussen durch unsere Befehle aktiv, welche Eigenschaften sich entwickeln. Ein Blob, der häufig körperliche Attacken verwendet, verbessert sich entsprechend anders als eine Kreatur, die stärker auf defensive oder magische Fähigkeiten setzt.
Dieser Ansatz hat uns ausgesprochen gut gefallen. Jeder Kampf trägt sichtbar zur gewünschten Entwicklung bei und selbst schwächere Gegner können sinnvoll genutzt werden, um bestimmte Werte zu trainieren. Gleichzeitig müssen wir ein wenig darauf achten, nicht dauerhaft dieselben Angriffe einzusetzen, wenn wir einen ausgewogeneren Begleiter aufbauen möchten.

Vor einer Herausforderung zeigt das Spiel außerdem ungefähr an, ob unsere aktuelle Stärke für den jeweiligen Gegner ausreichen dürfte. Dadurch lassen sich hoffnungslose Kämpfe meistens vermeiden. Vollkommen blind in eine Begegnung zu stolpern und erst nach mehreren Minuten festzustellen, dass der Gegner fünf Entwicklungsstufen über uns liegt, passiert dadurch nur selten.
Ein starker Blob benötigt mehr als gewonnene Kämpfe
Das Training endet nicht, sobald wir die Arena verlassen. Unsere Blobs entwickeln täglich wechselnde Gelüste und wünschen sich bestimmte Lebensmittel. Diese Vorlieben können jederzeit im Menü überprüft werden. Erfüllen wir sie regelmäßig, verbessern sich unter anderem Lebens- und Magiepunkte deutlich schneller.

Dabei zwingt uns das Spiel nicht, jeden Wunsch perfekt zu erfüllen. Ein Blob verhungert nicht sofort, weil wir an einem Tag die falsche Beere serviert haben. Wer die Vorlieben berücksichtigt, beschleunigt seine Entwicklung aber erheblich. Die Pflege wird dadurch belohnt, ohne dass sie zu einer permanenten Bestrafung für weniger organisierte Spieler ausartet.
Genau an dieser Stelle ergibt die Verbindung mit der Farm den größten Sinn. Da Nahrung für die Blobs eine zentrale Rolle spielt, sitzen wir als Landwirte direkt an der Quelle. Ein Teil der Ernte wird verkauft, während andere Produkte verarbeitet oder an unsere Begleiter verfüttert werden. Welche Pflanzen wir anbauen, hängt damit zunehmend davon ab, was unsere aktuelle Gruppe benötigt.
Später können die Blobs außerdem bei verschiedenen Arbeiten auf dem Hof helfen. Dadurch entsteht zumindest ansatzweise jene Vorstellung, mit der das Spiel ursprünglich unsere Aufmerksamkeit geweckt hat: Wir leben nicht nur neben den Monstern, sondern bewirtschaften die Farm gemeinsam mit ihnen.

Bis zu diesem Punkt vergeht allerdings einige Zeit. Gerade am Anfang fehlen Geld, Materialien, geeignete Nahrung und wichtige Verbesserungen. Landwirtschaft und Monsteraufzucht verlangen gleichzeitig nach Aufmerksamkeit, während beide Systeme noch stark eingeschränkt sind. Die eigentlich interessante Verbindung muss deshalb erst mühsam freigeschaltet werden.
Kleestadt besitzt nette Bewohner, aber wenig Möglichkeiten im Alltag
Regelmäßig besuchen wir Kleestadt, kaufen neue Samen und Gegenstände oder lassen unsere Werkzeuge verbessern. Der Ort verändert sich mit den Jahreszeiten und bietet verschiedene Geschäfte, Treffpunkte und Bewohner. Durch die überschaubare Größe finden wir uns schnell zurecht.

Mit den Figuren können wir sprechen, sie zu Blob-Kämpfen herausfordern und nach und nach Freundschaft aufbauen. Das Beziehungssystem bleibt jedoch wesentlich einfacher als in vielen anderen Farmsimulationen. Bereits ein tägliches Gespräch oder ein gewonnener Kampf erhöht die Freundschaft. Umfangreiche Geschenksysteme oder besonders viele alltägliche Interaktionen gibt es nicht.
Das ist bedauerlich, weil die Bewohner durchaus sympathisch gestaltet sind. Mit zunehmender Freundschaft werden persönliche Ereignisse freigeschaltet, durch die wir mehr über ihre Sorgen und Lebensumstände erfahren. Unter den richtigen Voraussetzungen sind später sogar romantische Beziehungen und eine Hochzeit möglich.

Die einzelnen Figuren besitzen also durchaus Geschichten, allerdings bleibt der Weg zu diesen Szenen mechanisch sehr schlicht. Häufig reden wir einmal täglich mit der gewünschten Person und warten anschließend darauf, dass der nächste Freundschaftswert erreicht wird. Der soziale Alltag entwickelt dadurch weniger Eigenleben als die Blob-Aufzucht.
Deutlich besser gefallen haben uns die saisonalen Feste. Sie bringen die Bewohner zusammen, enthalten kleine Aktivitäten und geben dem Jahresverlauf erkennbare Höhepunkte. Und wer etwas gegen das Eierfest sagt, muss sich zunächst vor sämtlichen Blobs der Umgebung rechtfertigen.

Nahezu vollständig fehlen dagegen klassische Nebenaufgaben. Viele vorhandene Aufgaben hängen unmittelbar mit dem normalen Fortschritt zusammen. Wer abseits davon zusätzliche Beschäftigung sucht, findet sie deshalb weniger in den Geschichten der Bewohner als in einem ganz anderen Bereich.
Expeditionen lassen die Farm zeitweise vollkommen vergessen
Im Abenteurerklub können wir Expeditionen in verschiedene Blob-Welten beginnen. Gemeinsam mit unseren Kreaturen und einem ausgewählten Partner betreten wir zufällig zusammengesetzte Gebiete, besiegen Gegner und sammeln wertvolle Gegenstände. Diese Ausflüge unterscheiden sich deutlich vom ruhigen Alltag auf der Farm.

Gerade hier kommt der Rollenspielanteil besonders deutlich zur Geltung. Wir trainieren unsere Blobs, suchen nach Schätzen und versuchen, mit den vorhandenen Ressourcen möglichst weit zu gelangen. Wer Gefallen am Kampfsystem und an der Entwicklung seiner Gruppe findet, kann in den Expeditionen einen beträchtlichen Teil der Spielzeit verbringen.
Die unterschiedlichen Welten sehen interessant aus und bieten eine willkommene Abwechslung zu Kleestadt. Gleichzeitig bleibt erzählerisches Potenzial ungenutzt. Wir hätten gerne mehr über diese Orte, ihre Verbindung zu den Blobs und ihre Bedeutung für die Spielwelt erfahren. Häufig funktionieren sie eher als Kulisse für Erkundung und Kämpfe als als tatsächlich ausgearbeitete Bestandteile der Geschichte.
Bevor das gemütliche Leben beginnt, wird erst einmal sortiert
Die Anfangsphase gehört zu den größten Schwächen des Spiels. Ein langsamer Beginn ist für Farmsimulationen grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Ova Magica verlangt aber gleichzeitig, dass wir Landwirtschaft betreiben, Blobs versorgen, Materialien sammeln und erste Kämpfe bestreiten. Dafür stehen zunächst nur wenige Ressourcen und Möglichkeiten zur Verfügung.
Besonders störend ist die anfänglich sehr kleine Tasche. Werkzeuge, Samen, Erzeugnisse und Nahrung für die Blobs teilen sich dieselben begrenzten Plätze. Dadurch verbringen wir gerade während der ersten Tage erstaunlich viel Zeit damit, Gegenstände aus dem Lager zu holen, andere einzusortieren und kurz darauf festzustellen, dass schon wieder etwas Wichtiges auf der Farm liegt.

Auch Kochen, umfangreichere Zuchtmöglichkeiten und die Unterstützung durch Blobs stehen nicht unmittelbar zur Verfügung. Das Spiel zeigt zwar schon früh, welche Möglichkeiten später auf uns warten, lässt uns aber vergleichsweise lange nur einen kleinen Teil davon verwenden.
Sobald sich die Systeme öffnen, verbessert sich der Spielfluss spürbar. Mehr Platz, bessere Werkzeuge, zusätzliche Rezepte und hilfreichere Blobs reduzieren die anfängliche Reibung. Bis dahin müssen Spieler allerdings etwas Geduld mitbringen. Ausgerechnet das gemütliche Farmleben beginnt mit erstaunlich viel organisatorischem Stress.
Eine Welt, in der beinahe alles geknuddelt werden möchte
Optisch besitzt Ova Magica einen enormen Wiedererkennungswert. Die farbenfrohe Spielwelt, kleinen Figuren und wackelnden Blobs wirken wie eine Mischung aus Anime, Spielzeug und besonders zuckerhaltigem Gebäck. Selbst gewöhnliche Einrichtungsgegenstände und Pflanzen fügen sich in diese bewusst niedliche Präsentation ein.

Es macht Spaß, durch die unterschiedlichen Jahreszeiten zu laufen, neue Bereiche zu entdecken und die kleinen Animationen der Blobs zu beobachten. Nebenbei können wir angeln, Insekten fangen und Gegenstände sammeln. Wer mit einer derart niedlichen Gestaltung wenig anfangen kann, dürfte die Kulisse vermutlich eher achselzuckend hinnehmen. Das Spiel weiß aber genau, welchen Stil es darstellen möchte, und verfolgt ihn ausgesprochen konsequent.
Die Musik bleibt dagegen deutlich zurückhaltender. Die Stücke begleiten den Alltag angenehm, drängen sich aber nur selten in den Vordergrund. Das passt zur entspannten Grundstimmung, hinterlässt musikalisch jedoch kaum bleibende Erinnerungen.
Technisch lief die getestete PC-Fassung überwiegend unauffällig. Die Anforderungen fallen moderat aus und auch das Steam Deck wird unterstützt. Die deutsche Übersetzung erleichtert den Einstieg erheblich, gerade weil zahlreiche Bedürfnisse, Fähigkeiten und Systeme über Text vermittelt werden.
Fazit – Die Farm ist klein, aber die Blobs benötigen ohnehin den ganzen Platz
Ova Magica übertrifft seine offensichtlichen Vorbilder nicht in deren jeweiligen Spezialgebieten. Als reine Landwirtschaftssimulation ist das Spiel zu einfach, als soziales Rollenspiel fehlen ihm Interaktionsmöglichkeiten und als erzählerisches Abenteuer besitzt es keinen ausreichend starken roten Faden.
Seine eigentliche Stärke liegt in der Verbindung dieser Bestandteile. Wir bauen Pflanzen nicht nur an, um Geld zu verdienen, sondern füttern damit unsere Blobs. Die kleinen Kreaturen kämpfen nicht nur für uns, sondern leben auf dem Hof und helfen später bei der Arbeit. Ihre Entwicklung hängt gleichermaßen von den eingesetzten Fähigkeiten, der richtigen Nahrung und unserer Pflege ab.
Gerade das ungewöhnliche Wachstumssystem während der Kämpfe hat uns gut gefallen. Weil verwendete Fähigkeiten direkt die entsprechenden Werte trainieren, können wir wesentlich bewusster beeinflussen, wie sich ein Blob entwickelt. Zucht, Gelüste und Pflege ergänzen dieses System sinnvoll und sorgen dafür, dass die Kreaturen mehr sind als austauschbare Kämpfer.
Nicht alles geht gleichermaßen auf. Die ersten Stunden ziehen sich, die Tasche ist unnötig klein und zahlreiche interessante Funktionen werden erst nach und nach zugänglich. Auch die Blob-Welten hätten eine wesentlich stärkere erzählerische Rolle verdient. Sie sehen abwechslungsreich aus, bleiben inhaltlich aber häufig bloße Expeditionsgebiete.
Wer eine besonders anspruchsvolle Farmsimulation oder eine große JRPG-Geschichte erwartet, findet deshalb passendere Alternativen. Wer dagegen hauptsächlich Lust auf eine Monsteraufzucht mit gemütlichem Farmalltag, Zuchtmöglichkeiten und ausgesprochen niedlichen Begleitern besitzt, kann sich in Kleestadt ein erstaunlich angenehmes Zuhause aufbauen.
Ova Magica fühlt sich wie ein sympathisches kleines Ei an, aus dem kein gewaltiger Drache schlüpft – dafür aber ein Blob, der gefüttert, trainiert und vermutlich sofort wieder gestreichelt werden möchte.
