Sich mit einem Luftschiff in die Lüfte erheben, über den Wolken schwebende Inseln bereisen und nebenbei ein paar gigantische Monster aus dem Weg räumen. Granblue Fantasy: Relink klingt eigentlich nach genau jener Sorte Anime-Abenteuer, für die wir eine gewisse Schwäche haben. Das ursprüngliche Action-Rollenspiel erschien 2024 und basiert auf einem Universum, das durch Spiele und Anime längst wesentlich größer geworden ist, als es ein einzelner Titel jemals abbilden könnte.
Und genau hier hatten wir zunächst ein kleines Problem: Wir kannten davon praktisch nichts. Kein jahrelanges Vorwissen, keine Lieblingsfigur aus dem Mobile Game und auch keine ausführliche Granblue-Historie im Hinterkopf. Eigentlich ziemlich gute Voraussetzungen für die Frage, die uns bei diesem Test besonders interessiert: Kann Granblue Fantasy: Relink auch jemanden abholen, der vollkommen neu in diese Welt einsteigt?
Mit Granblue Fantasy: Relink – Endless Ragnarok ist das Abenteuer inzwischen noch einmal erheblich größer geworden. Die erweiterte Fassung erschien am 9. Juli 2026 und ergänzt Relink unter anderem um eine neue Geschichte, zusätzliche spielbare Charaktere, neue Systeme und weitere Spielmodi. Besitzer des ursprünglichen Spiels können über ein Upgrade einsteigen, während die vollständige Fassung auch als Gesamtpaket angeboten wird.
🎮 Granblue Fantasy: Relink – Endless Ragnarok – Spieldaten
Release: 9. Juli 2026
Plattformen: Nintendo Switch 2 · PlayStation 5 · PlayStation 4 · PC (Steam)
Genre: Action-JRPG
Entwickler & Publisher: Cygames
Spieler: 1 · Online-Koop für bis zu 4 Spieler
Bildschirmtexte: Deutsch verfügbar
Sprachausgabe: Japanisch oder Englisch
Getestet auf: PC (Steam)
Hinweis: Der Testcode wurde uns von Cygames zur Verfügung gestellt.
Eine Himmelswelt, die viel größer ist als dieses Spiel
Granblue Fantasy spielt nicht auf einem gewöhnlichen Kontinent. Ganze Inseln schweben über einem riesigen Wolkenmeer, Luftschiffe verbinden die verschiedenen Regionen miteinander und mächtige Wesen, die sogenannten Astralbestien, gehören ebenso selbstverständlich zu dieser Welt wie ihre menschlichen Bewohner. Im Mittelpunkt steht die Crew der Grand Cypher, angeführt vom Captain, dessen Geschlecht wir selbst bestimmen können.

Zu den wichtigsten Begleitern gehört Lyria, ein geheimnisvolles Mädchen mit einer besonderen Verbindung zu den Astralbestien. Hinzu kommt Wirren, ein kleiner geflügelter Begleiter, der durchaus das Talent besitzt, gelegentlich etwas anstrengend zu werden, aber irgendwie trotzdem ziemlich putzig ist. Daneben besteht unsere Crew aus einer ganzen Reihe sehr unterschiedlicher Kämpfer, die sich nicht nur optisch, sondern später auch spielerisch deutlich voneinander unterscheiden.

Die Reise beginnt zunächst wie ein klassisches Luftschiffabenteuer. Unsere Gruppe landet in einer ihr unbekannten Himmelsregion, die sich ziemlich schnell als wesentlich gefährlicher herausstellt als gedacht. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Kirche von Avia, eine einflussreiche Organisation, die insbesondere an Lyria und ihrer Verbindung zu den Astralbestien interessiert ist. Aus der eigentlich harmlosen Erkundung neuer Gebiete entwickelt sich dadurch ziemlich schnell eine Rettungsmission – und natürlich bleibt es nicht lange bei dieser einen Bedrohung.

Als kompletter Neueinsteiger merkt man allerdings sofort, dass diese Figuren bereits ein gemeinsames Leben geführt haben, bevor wir überhaupt den Controller in die Hand bekommen. Freundschaften bestehen längst, vergangene Abenteuer werden vorausgesetzt und einige Beziehungen wirken zunächst so, als wären wir mitten in Staffel fünf einer Anime-Serie eingestiegen. Die ersten Stunden können deshalb durchaus ein paar Fragezeichen hinterlassen.
Das überraschend Gute daran: Wirklich schlimm ist das nicht. Die zentrale Handlung erklärt genug, um zu verstehen, wer die wichtigsten Personen sind, weshalb Lyria eine besondere Rolle einnimmt und was es mit den Astralbestien auf sich hat. Zusätzlich gibt es kleine Charakterepisoden, die vergangene Ereignisse aufgreifen und dadurch zumindest einige Wissenslücken schließen. Präsentiert werden diese Geschichten allerdings überwiegend in ziemlich schmuckloser Textform, wodurch ausgerechnet die Figuren an dieser Stelle deutlich weniger Aufmerksamkeit erhalten, als sie eigentlich verdient hätten.

Spektakulär erzählt heißt leider nicht automatisch spannend
Die eigentliche Geschichte hinterlässt bei uns gemischte Gefühle. Das Erzähltempo ist ausgesprochen hoch und ein Ereignis folgt praktisch unmittelbar auf das nächste. Große Monster, dramatische Rettungsaktionen, neue Gebiete und aufwendige Zwischensequenzen sorgen dafür, dass selten längerer Leerlauf entsteht.

Trotzdem wollte der Funke erzählerisch nie vollständig überspringen. Die Geschichte sieht oft spektakulärer aus, als sie tatsächlich geschrieben ist. Große Momente werden entsprechend groß präsentiert, doch nur selten haben wir wirklich gespannt darauf gewartet, wie es erzählerisch weitergeht. Die starke Anime-Inszenierung kaschiert dadurch ziemlich erfolgreich, dass der eigentliche Plot überraschend dünn bleibt.
Das ist besonders schade, weil die Welt so viel Potenzial besitzt. Eine Zivilisation auf schwebenden Inseln, Reisen mit Luftschiffen, mystische Kreaturen und unterschiedlichste Regionen bieten eigentlich eine fantastische Grundlage für kleinere Geschichten abseits des großen Konflikts. Genau diese fehlen jedoch fast vollständig. Stattdessen läuft nahezu alles früher oder später auf dieselbe Lösung hinaus: Wir müssen kämpfen.

Auch die sympathische Crew leidet darunter. Viele Figuren besitzen interessante Designs und angenehme Persönlichkeiten, bekommen innerhalb der eigentlichen Handlung aber kaum genügend Zeit, um sich wirklich zu entfalten. Gerade deshalb hätten wir uns mehr kleine Nebenhandlungen gewünscht, in denen diese Charaktere einmal unabhängig von der nächsten großen Monsterbedrohung im Mittelpunkt stehen.
Endless Ragnarok erweitert zumindest den Umfang erheblich. Nach dem ursprünglichen Abenteuer wird eine komplett neue Handlung freigeschaltet, in deren Mittelpunkt besonders mächtige Monster stehen, deren plötzliches Auftauchen natürlich alles andere als zufällig ist. Der zusätzliche Abschnitt erweitert die ursprüngliche Story erheblich und dürfte vor allem jene Spieler freuen, denen Relink zuvor zu schnell vorbei war.

Sobald die Waffen gezogen werden, zeigt Relink seine eigentliche Stärke
Dass uns die dünne Geschichte am Ende deutlich weniger gestört hat, als man vielleicht vermuten würde, liegt an einer Sache: Das Gameplay ist mit Abstand die größte Stärke des Spiels. Granblue Fantasy: Relink – Endless Ragnarok ist ein Action-Rollenspiel, in dem wir uns frei bewegen, in Echtzeit angreifen, Fähigkeiten einsetzen, ausweichen und blocken. Dabei steuern wir jeweils eine Figur unserer vierköpfigen Gruppe, während die restlichen Charaktere entweder von anderen Spielern oder der KI übernommen werden.

Besonders interessant ist, wie unterschiedlich sich die einzelnen Charaktere tatsächlich spielen. Der Captain eignet sich hervorragend als Allrounder, während andere Figuren stärker auf Distanzangriffe, Magie, schnelle Kombos oder vollkommen andere Mechaniken setzen. Ein Charakterwechsel bedeutet dadurch nicht einfach, dieselben Angriffe mit einem anderen Modell auszuführen. Wer etwas experimentiert, kann durchaus eine Figur entdecken, deren Spielstil plötzlich wesentlich besser zur eigenen Herangehensweise passt.

Hinzu kommen die Link-Angriffe. Erfüllen wir im Kampf bestimmte Voraussetzungen, können Mitglieder unserer Gruppe gemeinsame Attacken ausführen und dadurch immer mächtigere Angriffsketten aufbauen. Gerade später wird das enorm wichtig und sorgt gleichzeitig dafür, dass der Bildschirm zeitweise aussieht, als hätte jemand beschlossen, sämtliche Spezialeffekte des Spiels gleichzeitig einzuschalten.

Anfangs waren wir vom Kampfsystem trotzdem noch nicht vollständig überzeugt. Die grundlegende Steuerung versteht man schnell, doch der eigentliche Reiz zeigt sich erst dann, wenn man Link-Angriffe richtig einsetzt, seine Gruppe sinnvoll zusammenstellt und versteht, wie die unterschiedlichen Mechaniken ineinandergreifen. Sobald dieser Moment erreicht ist, macht das Kampfsystem allerdings plötzlich enorm viel Spaß. Genau dann wird verständlich, warum ein so großer Teil des Spiels konsequent darauf aufgebaut wurde.

Stärker werden die Figuren auf mehreren Ebenen. Klassische Erfahrungspunkte erhöhen das Level, während Skillpunkte in umfangreiche Entwicklungsbäume investiert werden können. Dort warten neue Fähigkeiten und weitere Verbesserungen. Gefundener Loot und Geld fließen wiederum in unsere Waffen, die beim Schmied weiter ausgebaut werden können. Dadurch gibt es praktisch ständig irgendeine Stellschraube, an der wir noch drehen können.


Wenn der Abspann eigentlich nur die Halbzeit markiert
Relink besitzt eine ungewöhnliche Struktur, denn ein enormer Teil der Beschäftigung wartet erst nach beziehungsweise neben der eigentlichen Geschichte. Zahlreiche Missionen konzentrieren sich vollkommen auf Kämpfe gegen Gegnergruppen oder besonders mächtige Bosse. Im Grunde tun wir dort also genau das, was wir ohnehin schon ständig getan haben – nur unter härteren Bedingungen.
Nach dem Spiel ist hier tatsächlich vor dem Spiel.
Diese Missionen können gemeinsam mit anderen Spielern bestritten werden. Wer lieber alleine unterwegs ist oder gerade niemanden für eine Runde gigantischer Monsterverklopperei findet, kann allerdings genauso gut mit KI-gesteuerten Gruppenmitgliedern antreten. Neue Charaktere lassen sich über Crew-Mitgliedskarten freischalten und Endless Ragnarok erweitert die Auswahl noch einmal um zusätzliche spielbare Kämpfer. Online unterstützt die aktuelle Fassung zudem Crossplay zwischen den Plattformen.


Eine der interessantesten Ergänzungen ist der Konflux-Modus. Dieser wird erst im Laufe des Spiels verfügbar und schickt uns durch zufallsgenerierte beziehungsweise variierende Gebiete. Der Aufbau erinnert an ein Roguelike: Wir kämpfen uns durch einzelne Abschnitte, wählen nach erfolgreichen Arealen Belohnungen aus und sammeln Punkte für einen eigenen, ausschließlich auf diesen Modus zugeschnittenen Skillbaum.

Natürlich wird auch hier hauptsächlich gekämpft. Wer bereits nach der Hauptgeschichte genug davon hat, wird durch Endless Ragnarok deshalb nicht plötzlich ein vollkommen anderes Spiel erhalten. Wer dagegen genau wegen dieses Kampfsystems immer weitermachen möchte, bekommt einen hervorragenden Grund dafür. Neue Story, zusätzliche Figuren, der Konflux und weitere Herausforderungen greifen so gut in das bestehende Spiel ein, dass die Erweiterung nicht wie ein lieblos angehängter Nachtrag wirkt.
Große Bosse und noch größere Effektgewitter
Besonders beeindruckend ist die Präsentation. Granblue Fantasy: Relink – Endless Ragnarok sieht gerade in seinen Zwischensequenzen hervorragend aus und schafft es immer wieder, seine Anime-Ästhetik mit einer beinahe filmreifen Inszenierung zu verbinden. Charakterdesigns, Landschaften und Effekte ergeben zusammen ein ausgesprochen stimmiges Gesamtbild.

Die eigentlichen Stars sind allerdings die Bosse. Einige dieser Kreaturen sind gigantisch, hervorragend gestaltet und deutlich anspruchsvoller als gewöhnliche Gegner. Gerade auf höheren Schwierigkeitsgraden muss man Angriffe lesen, rechtzeitig ausweichen und die Mechaniken des eigenen Teams vernünftig nutzen. Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad bleibt das Abenteuer dagegen überwiegend gut machbar.


Problematisch wird die spektakuläre Präsentation gelegentlich dann, wenn zu viel gleichzeitig passiert. Vier Charaktere, ein riesiger Boss, Link-Angriffe, normale Fähigkeiten und diverse Partikeleffekte können den Bildschirm innerhalb weniger Sekunden in ein farbenfrohes Chaos verwandeln. Das sieht beeindruckend aus, erschwert aber gelegentlich den Überblick.
Die Welt selbst ist ebenfalls hübsch gestaltet, allerdings sollte niemand ein großes Open-World-Abenteuer erwarten. Die einzelnen Inseln und Regionen werden über Menüs ausgewählt und bestehen aus klar abgegrenzten Arealen sowie Kampfzonen. Gerade angesichts der faszinierenden Himmelswelt hätten wir gerne etwas mehr Freiheit bei der Erkundung gesehen. Unsere getestete Steam-Version lief insgesamt sauber, auch wenn vereinzelt kleinere Framerate-Einbrüche auftraten. Der Unschärfeeffekt beim schnellen Laufen ist zudem Geschmackssache, lässt sich allerdings deaktivieren.

Fazit – Wer wegen der Kämpfe kommt, darf sehr lange bleiben
Granblue Fantasy: Relink – Endless Ragnarok hat uns als komplette Neueinsteiger deutlich positiver überrascht, als wir zunächst erwartet hatten. Trotz eines riesigen Universums im Hintergrund verlangt das Spiel nicht, dass wir vorher jahrelang ein Mobile Game gespielt oder mehrere Anime-Staffeln gesehen haben. Einige Beziehungen und Begriffe wirken anfangs zwar fremd, doch nach einigen Stunden findet man sich ausreichend gut zurecht.
Die Geschichte ist allerdings klar die Schwachstelle. Sie besitzt ein hohes Tempo, sieht fantastisch aus und wird regelmäßig mit großen Zwischensequenzen inszeniert, schafft es erzählerisch aber nur selten, wirklich Spannung aufzubauen. Besonders schade ist, dass die sympathischen Figuren kaum genügend Raum erhalten und das enorme Potenzial der Himmelswelt nur selten für kleinere, persönlichere Geschichten genutzt wird.
Dafür trägt das Kampfsystem nahezu das komplette Spiel. Die Figuren unterscheiden sich spielerisch deutlich voneinander, Link-Angriffe erzeugen einen motivierenden Gruppenrhythmus und die Bosskämpfe gehören zu den Höhepunkten des Abenteuers. Skillbäume, Waffenverbesserungen und zahlreiche Missionen sorgen gleichzeitig dafür, dass es nach dem Ende der ursprünglichen Geschichte noch sehr viel zu tun gibt.
Genau hier spielt Endless Ragnarok seine größte Stärke aus. Die zusätzliche Geschichte und insbesondere der Konflux-Modus erweitern Relink nicht einfach um ein paar lose Missionen, sondern geben Spielern weitere Gründe, ihre Gruppe immer weiter auszubauen. Wer das Kampfsystem liebt, wird wahrscheinlich genau dann besonders viel Spaß haben, wenn andere Rollenspiele längst ihren Abspann gezeigt hätten.
Wer dagegen in erster Linie wegen einer tiefgründigen Geschichte, komplex ausgearbeiteten Charakteren oder ausufernder Erkundung zu einem JRPG greift, dürfte hier weniger glücklich werden. Granblue Fantasy: Relink – Endless Ragnarok weiß ziemlich genau, was es sein möchte: ein schnelles, spektakuläres und enorm kampforientiertes Anime-Action-Rollenspiel.
Und genau deshalb passt ein Satz erstaunlich gut zu diesem Abenteuer:
Wenn die Geschichte vorbei ist, geht Granblue Fantasy: Relink eigentlich erst richtig los.
